42°OS Deployment-Modelle
42°OS kann auf verschiedene Arten betrieben werden — je nach Anforderungen des Kunden an Datenschutz, IT-Infrastruktur, Budget und Kontrollbedarf. Dieses Kapitel erklärt die Varianten und wann welche sinnvoll ist.
Überblick: Wo läuft 42°OS?
┌─────────────────────────────────────────────────────────┐
│ Deployment-Varianten │
├───────────────┬──────────────────┬──────────────────────┤
│ SaaS Shared │ Cloud (dediziert)│ On-Premises │
│ (geteilt) │ (eigener Server) │ (beim Kunden) │
├───────────────┼──────────────────┼──────────────────────┤
│ 42grad hostet │ 42grad oder Kunde │ Kunde hostet selbst │
│ für viele │ hostet für einen │ in eigenem RZ oder │
│ Kunden │ Kunden │ auf eigener Hardware │
└───────────────┴──────────────────┴──────────────────────┘
Variante 1: SaaS auf Shared Server
42°OS läuft auf einem Server der von 42grad betrieben wird und von mehreren Kunden gemeinsam genutzt wird. Der Kunde braucht keine eigene Infrastruktur — er meldet sich an und legt los.
Technisch:
- Server bei einem Hosting-Anbieter (z. B. Hetzner, AWS, Azure)
- Jeder Kunde hat seinen eigenen isolierten Bereich (Tenant)
- Updates, Backups, Wartung: Aufgabe von 42grad
Vorteile:
- Kein Infrastrukturaufwand für den Kunden
- Sofort einsatzbereit
- Günstiger Einstieg
Einschränkungen:
- Datenschutz: Daten verlassen das Unternehmen (relevant bei sensiblen Produktions- oder Kundendaten)
- Konnektivität: der externe Server muss die internen Systeme des Kunden erreichen können — was Firewall-Freigaben oder VPN erfordert
- Keine Kontrolle über Updates und Umgebung
Geeignet für: Kunden mit unkritischen Daten, ohne strenge IT-Compliance-Anforderungen, die schnell starten wollen.
Variante 2: Cloud-Server, dediziert
42°OS läuft auf einem eigenen Server in der Cloud — dediziert für einen Kunden, aber nicht beim Kunden vor Ort. Der Server kann von 42grad oder vom Kunden betrieben werden.
Technisch:
- Virtueller Server bei einem Cloud-Anbieter (Hetzner, AWS, Azure, Microsoft Azure)
- Nur ein Kunde, volle Kontrolle über die Umgebung
- Verbindung zum Kundennetzwerk per VPN
VPN-Anbindung: die zwei Varianten
Client-to-Site VPN: Der Cloud-Server wählt sich als einzelner Client in das Netzwerk des Kunden ein — ähnlich wie ein Außendienstmitarbeiter der sich von unterwegs ins Büronetz einwählt.
Cloud-Server (42°OS)
│
│ VPN-Verbindung (verschlüsselt)
│
Kunden-Firewall (VPN-Endpunkt)
│
Kundennetzwerk (intern)
├── ERP-Server
├── Fileserver
└── Datenbank
Site-to-Site VPN: Zwei Netzwerke werden dauerhaft miteinander verbunden — das Netzwerk auf dem 42°OS läuft und das interne Netzwerk des Kunden. Beide sehen sich als wären sie im selben LAN.
Cloud-Netzwerk (42°OS) ←── permanenter VPN-Tunnel ───→ Kundennetzwerk
Site-to-Site ist stabiler und für produktive Dauerbetriebe bevorzugt. Client-to-Site ist einfacher einzurichten und ausreichend wenn die Verbindung nur sporadisch gebraucht wird.
Vorteile:
- Vollständige Kontrolle über die Umgebung
- Daten bleiben im dedizierten Bereich
- VPN schützt die Verbindung zum Kundennetzwerk
- Updates nach eigenem Zeitplan
Einschränkungen:
- Höhere Kosten als Shared SaaS
- VPN-Einrichtung erfordert Mitarbeit der Kunden-IT
- Daten liegen noch in einer externen Cloud (nicht beim Kunden)
Geeignet für: Kunden mit höheren Datenschutzanforderungen, die aber keine eigene Server-Infrastruktur betreiben wollen.
Variante 3: On-Premises
42°OS läuft auf Hardware beim Kunden selbst — im eigenen Rechenzentrum, im Serverraum oder auf einem dedizierten Server im Unternehmen.
Technisch:
- Server physisch beim Kunden
- Betrieb durch die IT-Abteilung des Kunden (oder 42grad im Managed-Service-Modell)
- Keine Verbindung nach außen zwingend nötig — alle Systeme im selben LAN
Kundennetzwerk (alles lokal)
├── 42°OS-Server
├── ERP-Server
├── Fileserver
├── Datenbankserver
└── Active Directory
Vorteile:
- Maximale Datensouveränität: keine Daten verlassen das Unternehmen
- Volle Kontrolle über alle Komponenten
- Kein VPN nötig — alles im selben Netzwerk
- Keine Abhängigkeit von externen Diensten
- Unbegrenzte Nutzer und Ausführungen (kein nutzungsbasiertes Pricing)
Einschränkungen:
- Erfordert eigene IT-Infrastruktur und Betrieb
- Updates müssen selbst eingespielt werden
- Initiale Einrichtung aufwändiger
Geeignet für: Kunden mit strengen Datenschutz- oder Compliance-Anforderungen (Industrie, Behörden, Gesundheitswesen), Kunden mit eigener IT-Abteilung, Kunden in Umgebungen mit schlechter oder keiner Internetverbindung.
Perspektivwechsel: Was sieht die Kunden-IT?
Aus Sicht der IT-Abteilung eines Kunden ist 42°OS eine weitere Anwendung die Ressourcen benötigt und integriert werden will. Die typischen Fragen:
Netzwerk:
- Welche IP-Adressen muss die Firewall freigeben?
- Welche Ports werden benötigt?
- Wird ein VPN-Zugang benötigt?
Benutzer und Berechtigungen:
- Welche Dienstkonten werden benötigt (Datenbank, Fileserver, AD)?
- Welche minimalen Rechte brauchen diese Konten?
- Soll SSO (Single Sign-On) per Active Directory eingebunden werden?
Hardware (On-Premises):
- Welche Serveranforderungen hat 42°OS (CPU, RAM, Speicher)?
- Welches Betriebssystem?
- Wie wird gesichert und gesichert (Backup)?
Wartung:
- Wer ist verantwortlich für Updates?
- Wie wird Support geleistet?
- Wie wird auf den Server zugegriffen (SSH, RDP)?
Vergleich auf einen Blick
| SaaS Shared | Cloud dediziert | On-Premises | |
|---|---|---|---|
| Datenlage | Extern, geteilt | Extern, dediziert | Intern beim Kunden |
| Infrastrukturaufwand | Keiner | Gering | Mittel bis hoch |
| Netzwerkkonnektivität | Firewall-Freigabe oder VPN | VPN empfohlen | Kein VPN nötig |
| Datenschutz | Basis | Gut | Maximal |
| Kosten | Niedrig | Mittel | Setup höher, Betrieb variabel |
| Kontrolle | Gering | Mittel | Voll |
| Geeignet für | Einstieg, unkritische Daten | Mittlere Anforderungen | Strenge Compliance, eigene IT |